Die stillschweigende Dimension der Architekturpädagogik – die die Studierenden dann zwar beim Entwerfen anwenden, aber nur schwer erklären können – ist nach wie vor nur unzureichend untersucht und mit methodologischen Schwierigkeiten belastet. Bereits bestehende Berichte betonen isolierte Studioprojekte oder kognitive Prozesse, die allzu oft den jeweiligen kulturellen, historischen und fachlichen Kontext vernachlässigen. Tatsächlich trifft aber der Begriff des „impliziten Wissens” nicht einmal wirklich treffend auf die Architekturpädagogik zu, bei der es um ästhetische und ethische Wertungen geht und nicht nur um erkenntnistheoretisches Wissen. Die entsprechenden Studien erforschen ein erweitertes Verständnis der stillschweigend implizierten Aspekte in der Architekturlehre an der ETH Zürich vom späten 20. Jahrhundert bis heute. Mit Hilfe einer Reihe vergleichender Episoden untersucht diese These Aspekte des stillschweigend Mitschwingenden in der Ausbildung in den ETH Design Studios im Vergleich zum breiter gefassten Horizont der europäischen Lehre und stützt sich dabei auf pädagogische Schriften, Literaturrezensionen, Archivrecherchen, Nachstellungen, mündliche Überlieferungen und Studio-Autoethnographie. Dabei verortet sie das stillschweigend Vorhandene – und dessen Transfer – in der heutigen ETH-Kultur durch Überschneidungen und Unterscheidungen von anderen Epochen, Kulturen, Disziplinen, Praktiken und Gemeinschaften. Über diese eine, einflussreiche Architekturschule hinaus, betrachtet sie kritisch, wie wir ganz allgemein diesen stillschweigenden Aspekt lehren – und welche Perspektiven bei diesem Prozess im Vordergrund stehen – und schafft so Erkenntnisse, die sich auf andere pädagogische Kontexte übertragen lassen.



