{"id":483,"date":"2017-05-15T14:04:24","date_gmt":"2017-05-15T12:04:24","guid":{"rendered":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/2017\/05\/15\/infrastruktur-als-sozialer-entwicklungsmotor-eau-et-gaz-a-tous-les-etages\/"},"modified":"2017-05-15T14:04:24","modified_gmt":"2017-05-15T12:04:24","slug":"infrastruktur-als-sozialer-entwicklungsmotor-eau-et-gaz-a-tous-les-etages","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/it\/2017\/05\/15\/infrastruktur-als-sozialer-entwicklungsmotor-eau-et-gaz-a-tous-les-etages\/","title":{"rendered":"Infrastruktur als sozialer Entwicklungsmotor \u00abEau et gaz \u00e0 tous les \u00e9tages\u00bb"},"content":{"rendered":"<p>Vorhandensein und Leistungsf\u00e4higkeit technischer Betriebssysteme werden heute in den Industrienationen vorausgesetzt. Dabei bildet die Versorgung von Wohneinheiten durch die \u00f6ffentliche Infrastruktur in den anwachsenden Agglomerationen des globalen S\u00fcdens eher die Ausnahme als die Regel. In den weniger entwickelten L\u00e4ndern m\u00fcssen etwa 30 Prozent der st\u00e4dtischen Bewohnerinnen und Bewohner ohne Wasseranschluss auskommen, und 29 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung leben unter prek\u00e4ren sanit\u00e4ren Bedingungen.<!--more--><\/p>\n<p>In einigen L\u00e4ndern Afrikas mangelt es bereits mehr als der H\u00e4lfte der Stadtbewohnenden an grundlegender Infrastruktur. Eine weitere Verdoppelung der Slumbev\u00f6lkerung in den n\u00e4chsten f\u00fcnfundzwanzig Jahren um 2 Milliarden Einwohner l\u00e4sst den Aufwand zur Bereitstellung elementarer Infrastruktur ins Astronomische wachsen (weltweit auf 227 Milliarden US-Dollar). Angesichts des notwendigen Wandels zu nachhaltigen globalen Wirtschaften erfordert der Ausbau der wachsenden Metropolen zudem neue soziale Organisationsformen und Technologien. Wenn die Stadt des Industriezeitalters erst durch die Revolutionierung der Infrastruktur ihre neuen Dimensionen bew\u00e4ltigen konnte, welches sind dann die Instrumente, Strategien, technischen Innovationen und Akteure, die zuk\u00fcnftig die st\u00e4dtische Grundversorgung f\u00fcr alle garantieren? Wie viel Infrastruktur braucht die Stadt, damit sich die Bewohnerinnen und Bewohner ihren Lebensraum aneignen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund einer allgemein verbreiteten Vereinnahmung der St\u00e4dte durch privatwirtschaftliche Interessen erscheinen Projektinitiativen, die sich auf \u00f6ffentliche Belange und die Grundversorgung einer breiten Bev\u00f6lkerung konzentrieren, als Meilensteine auf dem Weg zur sozialgerechten Verteilung st\u00e4dtischer Ressourcen. In einigen s\u00fcdamerikanischen L\u00e4ndern haben Stadtregierungen begriffen, dass zur verkehrstechnischen Erschliessung der Slumgebiete Grossprojekte erforderlich sind. Die Einf\u00fchrung von Gondelbahnen in den dicht bebauten informellen Siedlungen in Medell\u00edn, Caracas und Rio de Janeiro bietet den Vorteil, dass zur Errichtung der Masten kaum R\u00e4umungen bestehender Strukturen vorgenommen werden m\u00fcssen. Aus der Infra-Struktur, die \u00fcblicherweise ebenerdig oder unterhalb der Wohnbebauung angelegt werden sollte, wird eine Super-Struktur, die sich \u00fcber die undurchdringlichen Wohnquartiere der h\u00fcgeligen Stadtlandschaft erhebt.<\/p>\n<p>Die genannten Projekte zeigen, wie grundlegende infrastrukturelle Versorgung alle Massstabsebenen durchdringt und gleichzeitig von unten als auch von oben gedacht werden muss. Die Stadt als Gesamtsystem kann nur dann zum funktionsf\u00e4higen Organismus transformiert werden, wenn sich Makro-Organisation und Mikro-Ausbau gegenseitig erg\u00e4nzen. An der Leistungsf\u00e4higkeit dieser Infrastruktur wird sich zeigen, ob Wasser, Gas und Elektrizit\u00e4t nicht nur auf allen Etagen, sondern zuk\u00fcnftig auch in allen Wohnlagen der weltweit wachsenden St\u00e4dte zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p><a href=\"mailto:hehl@arch.ethz.ch\" target=\"_self\">Rainer Hehl<\/a><\/p>\n<p><i>Der Artikel ist eine gek\u00fcrzte Fassung eines Essays, der in dem Buch \u2018Moderators of Change \u2013 Architektur, die hilft; Jahresring. 58. Jahrbuch f\u00fcr moderne Kunst\u2019, editiert von Andres Lepik im Oktober 2011 im Hatje Cantz Verlag erscheinen wird.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorhandensein und Leistungsf\u00e4higkeit technischer Betriebssysteme werden heute in den Industrienationen vorausgesetzt. Dabei bildet die Versorgung von Wohneinheiten durch die \u00f6ffentliche Infrastruktur in den anwachsenden Agglomerationen des globalen S\u00fcdens eher die Ausnahme als die Regel. 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