{"id":8820,"date":"2024-05-17T19:56:27","date_gmt":"2024-05-17T17:56:27","guid":{"rendered":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/2024\/05\/17\/das-bild-der-heidi-schweiz-wird-sich-veraendern-und-es-wird-neue-naturen-geben\/"},"modified":"2025-04-23T17:40:42","modified_gmt":"2025-04-23T15:40:42","slug":"das-bild-der-heidi-schweiz-wird-sich-veraendern-und-es-wird-neue-naturen-geben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/fr\/2024\/05\/17\/das-bild-der-heidi-schweiz-wird-sich-veraendern-und-es-wird-neue-naturen-geben\/","title":{"rendered":"\u00abDas Bild der Heidi-\u200bSchweiz wird sich ver\u00e4ndern und es wird neue Naturen geben\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><em>Der Klimawandel bedeutet mehr Bergst\u00fctze und \u00dcberschwemmungen. Wie die Landschaftsarchitektur darauf reagieren kann, untersucht die ETH-\u200bProfessorin Martina Voser im Sandkasten, am Computer und im Dialog mit der Bev\u00f6lkerung.<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Im B\u00fcro der ETH-\u200bProfessorin Martina Voser steht ein grosser Sandkasten. Er ist nicht f\u00fcr Kinder gedacht, sondern f\u00fcr Erwachsene. Die Landschaftsarchitektin kann damit Topografie und Wasserfl\u00fcsse intuitiv modellieren. Eine Kamera \u00fcber der Sandbox \u00fcbertr\u00e4gt das physische Modell in den digitalen Raum und kann Simulationen darauf projizieren. \u00abDer Wechsel zwischen analog und digital, zwischen Intuition und Pr\u00e4zision ist wichtig, um die zeitliche Dimension im Entwurf zu verstehen\u00bb, sagt Voser. Denn Landschaft ist im Unterschied zur Architektur nicht statisch: Pflanzen wachsen, Organismen entwickeln sich, die Geologie ver\u00e4ndert sich. Voser sagt es so: \u00abMan lernt mit Prozessen zu entwerfen.\u00bb<\/p>\n<figure id=\"attachment_22983\" aria-describedby=\"caption-attachment-22983\" style=\"width: 599px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-22983\" src=\"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/image.imageformat.1286.1692371572-2.jpg\" alt=\"Sandwolkenkasten mit interaktiver Projektion\" width=\"599\" height=\"760\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-22983\" class=\"wp-caption-text\">Sandwolkenkasten mit interaktiver Projektion<\/figcaption><\/figure>\n<p>Martina Voser ist seit 2021 Gastprofessorin an der ETH Z\u00fcrich, Ende 2023 wurde sie zur ordentlichen Professorin f\u00fcr Landschaftsarchitektur berufen. Studiert hat die 50-\u200bj\u00e4hrige Schweizerin einst Architektur an der ETH, sp\u00e4ter hat sie in Cottbus, in Mendrisio und in Lausanne gelehrt. An der ETH unterrichtet sie Entwurf f\u00fcr die Studieng\u00e4nge Architektur sowie Landschaftsarchitektur. \u00abZusammen mit den Studierenden sind wir auf der Suche nach einem neuen Vokabular f\u00fcr die zeitgen\u00f6ssische Landschaft\u00bb, sagt Voser. Es geht darum, die Landschaft zu lesen, in Systemen zu denken \u2013 und die Zeit zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Neben der Professur f\u00fchrt Martina Voser das Landschaftsarchitekturb\u00fcro mavo Landschaften in Z\u00fcrich. \u00abDer Austausch zwischen Forschung und Praxis ist wichtig\u00bb, sagt sie. Der Beruf wandelt sich. Die Auftraggeber wollen oft nicht nur einen Entwurf f\u00fcr einen Park oder Friedhof, sondern suchen nach Transformationsstrategien f\u00fcr ganze Areale. Die Fragen sind dabei meist offen und \u00fcbergeordnet. \u00abWir sind immer auf der Suche nach vielschichtigen Mehrwerten \u2013 f\u00fcr Flora, Fauna und Gesellschaft.\u00bb Diese Verschiebung der Praxis wiederum beeinflusst Lehre und Forschung.<\/p>\n<figure id=\"attachment_22987\" aria-describedby=\"caption-attachment-22987\" style=\"width: 760px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-22987\" src=\"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/image.imageformat.1286.1786432422.jpg\" alt=\"Ausstellung der Studierendenarbeiten f\u00fcr Brienz\/Brinzauls\" width=\"760\" height=\"463\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-22987\" class=\"wp-caption-text\">Ausstellung der Studierendenarbeiten f\u00fcr Brienz\/Brinzauls<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Die Landschaft wird dynamischer<\/h3>\n<p>Die Verdichtung in den Schweizer St\u00e4dten und Agglomerationen bedeutet: Die Landschaft muss immer mehr leisten. Sie dient der Naherholung, sie liefert Ressourcen, sie tr\u00e4gt zur Biodiversit\u00e4t bei. Voser spricht von einer \u00abverdichteten Landschaft\u00bb. Eine klare Grenze zwischen Stadt und Landschaft gibt es laut der Professorin schon langen nicht mehr. Das heisst: Es treffen unterschiedliche Interessen aufeinander. \u00abLandschaft ist politisch.\u00bb<\/p>\n<p>Das Einflussgebiet der Landschaftsarchitektur geht \u00fcber die Parzellengrenze hinaus, mal liegt es zwischen zwei H\u00e4userzeilen und mal zwischen zwei T\u00e4lern. \u00abDie Landschaft vermittelt und verbindet\u00bb, sagt Voser. Zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Zwischen \u00d6kologie und Ingenieurwesen. Zwischen Architektur und Natur. All diese Anspr\u00fcche an die Landschaft ben\u00f6tigen Fachleute in der Planung. Doch der Fachkr\u00e4ftemangel in der Disziplin ist gross, weshalb <a href=\"https:\/\/www.bafu.admin.ch\/bafu\/de\/home\/themen\/landschaft\/fachinformationen\/bildung-und-beratung.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">der Bund die Bildung und Beratung f\u00fcr die Landschaft f\u00f6rdert<\/a>.<\/p>\n<p>\u00abDie ETH wurde gegr\u00fcndet, als die Infrastruktur der modernen Schweiz gebaut wurde\u00bb, sagt Voser. Heute geht es darum, diese zu adaptieren und f\u00fcr die Zukunft fit zu machen. Mit dem Klimawandel ver\u00e4ndert sich auch die Landschaft. Es geht um Themen wie Hitzeminderung in St\u00e4dten oder das Speichern von Wasser im urbanen oder l\u00e4ndlichen Kontext.. Die Klimaadaption muss darauf reagieren, dass es mehr Bergst\u00fcrze, D\u00fcrren und \u00dcberschwemmungen gibt. Die Landschaft wird dynamischer und braucht mehr Raum. Einst hat man die B\u00e4che kanalisiert und die Sumpfgebiete entw\u00e4ssert. Heute versucht man, den Fl\u00fcssen wieder mehr Platz zu geben und sogar kontrollierte \u00dcberschwemmungen zuzulassen. \u00abDie Gefahren nehmen zu, gleichzeitig m\u00fcssen wir das Wasser umarmen\u00bb, so Voser.<\/p>\n<h3>Entw\u00fcrfe der Studierenden f\u00fcr Brienz<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Entwuerfe-der-Studierenden-fuer-Brienz-scaled.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-22991 size-large\" src=\"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Entwuerfe-der-Studierenden-fuer-Brienz-scaled.png\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"211\" \/><\/a><\/p>\n<p>Was bedeuten diese Ver\u00e4nderungen f\u00fcr die Gestaltung der Landschaft? \u00abWir m\u00fcssen die Krise als Chance sehen\u00bb, sagt die Professorin. \u00abDas Bild der Heidi-\u200bSchweiz wird sich ver\u00e4ndern und es wird neue Naturen geben.\u00bb Es ist darum wichtig, die Bev\u00f6lkerung in dem Prozess zu informieren und abzuholen. Voser hat das letzte Semester dem Bergsturz in Brienz gewidmet und ist mit drei Fragen gestartet: Das Dorf verlassen? Das Dorf sch\u00fctzen? Oder das Dorf ver\u00e4ndern? Die Studierenden zeichneten m\u00f6gliche L\u00f6sungen und diskutierten diese mit dem Gemeindepr\u00e4sidenten und dem Raumplanern. \u00abDer Prozess hilft, die Debatte anzustossen und \u00c4ngste abzubauen.\u00bb<\/p>\n<p>Wie man dem Klimawandel im Kleinen konkret begegnen kann, will Voser mit einem Wassergarten auf dem Dach des HIL-\u200bGeb\u00e4udes an der ETH veranschaulichen. Das Projekt ist als \u00abLiving Lab\u00bb ausgelegt, wird also Alltag und Forschung verbinden. Die kahle Dachterrasse soll dank der Installation mehr Wasser zur\u00fcckhalten k\u00f6nnen. Und gleichzeitig aufgewertet werden. Die Landschaft wirkt einmal mehr als verbindendes Element.<\/p>\n<figure id=\"attachment_22995\" aria-describedby=\"caption-attachment-22995\" style=\"width: 760px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-22995\" src=\"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/image.imageformat.1286.1204458024.jpg\" alt=\"Pr\u00e4sentation des Entwurfsstudios in Airolo\" width=\"760\" height=\"428\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-22995\" class=\"wp-caption-text\">Pr\u00e4sentation des Entwurfsstudios in Airolo<\/figcaption><\/figure>\n<p><a href=\"https:\/\/arch.ethz.ch\/news-und-veranstaltungen\/news-kanal\/2024\/04\/das-bild-der-heidi-schweiz-wird-sich-veraendern.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Das Original dieses Artikels von Andres Herzog erschien in den ETH-News am 25.04.2024.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Klimawandel bedeutet mehr Bergst\u00fctze und \u00dcberschwemmungen. Wie die Landschaftsarchitektur darauf reagieren kann, untersucht die ETH-\u200bProfessorin Martina Voser im Sandkasten, am Computer und im Dialog mit der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":6278,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_kad_blocks_custom_css":"","_kad_blocks_head_custom_js":"","_kad_blocks_body_custom_js":"","_kad_blocks_footer_custom_js":"","footnotes":""},"categories":[23],"tags":[],"departemente":[138,159,113],"newsletter_ausgabe":[317],"class_list":["post-8820","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-newsletter-artikel","departemente-departement-architektur-d-arch","departemente-institut-fuer-landschaft-und-urbane-studien-lus","departemente-prof-martina-voser","newsletter_ausgabe-nl-62"],"acf":[],"taxonomy_info":{"category":[{"value":23,"label":"Newsletter-Artikel"}],"departemente":[{"value":138,"label":"Departement Architektur (D-ARCH)"},{"value":159,"label":"Institut f\u00fcr Landschaft und Urbane Studien (LUS)"},{"value":113,"label":"Prof. Martina Voser"}],"newsletter_ausgabe":[{"value":317,"label":"NL 62"}]},"featured_image_src_large":["https:\/\/xoxo.capsule.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/martina-voser-100-x100@2x.jpg",1000,1000,false],"author_info":{"display_name":"Yaxin Hou","author_link":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/fr\/author\/houya\/"},"comment_info":0,"category_info":[{"term_id":23,"name":"Newsletter-Artikel","slug":"newsletter-artikel","term_group":0,"term_taxonomy_id":23,"taxonomy":"category","description":"","parent":0,"count":680,"filter":"raw","cat_ID":23,"category_count":680,"category_description":"","cat_name":"Newsletter-Artikel","category_nicename":"newsletter-artikel","category_parent":0}],"tag_info":false,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8820","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8820"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8820\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8825,"href":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8820\/revisions\/8825"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6278"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8820"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8820"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8820"},{"taxonomy":"departemente","embeddable":true,"href":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/departemente?post=8820"},{"taxonomy":"newsletter_ausgabe","embeddable":true,"href":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/newsletter_ausgabe?post=8820"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}