{"id":518,"date":"2017-05-15T14:59:22","date_gmt":"2017-05-15T12:59:22","guid":{"rendered":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/2017\/05\/15\/eth-medaille-fuer-dissertation-zu-dieter-kienast\/"},"modified":"2025-04-23T15:23:59","modified_gmt":"2025-04-23T13:23:59","slug":"eth-medaille-fuer-dissertation-zu-dieter-kienast","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/fr\/2017\/05\/15\/eth-medaille-fuer-dissertation-zu-dieter-kienast\/","title":{"rendered":"ETH-Medaille f\u00fcr Dissertation zu Dieter Kienast"},"content":{"rendered":"<p>Anette Freytag erh\u00e4lt f\u00fcr ihre Dissertation \u00abNatur entwerfen. Zum Werk des Schweizer Landschaftsarchitekten Dieter Kienast (1945-1998)\u00bb die Medaille der ETH Z\u00fcrich f\u00fcr Exzellenz in der Forschung. Die Arbeit leistet die erste umfassende kritische Darstellung von Kienasts Werk und zeigt dessen kulturelle und gesellschaftspolitische Kontexte der 1970er bis 1990er Jahre. Im Interview sprich die Autorin \u00fcber ihr abgeschlossenes Forschungsprojekt, \u00fcber \u00abKasseler Spuren\u00bb in Kienasts Schaffen und \u00fcber Alltagsbew\u00e4ltigung in Form von \u00e4sthetischer Erfahrung.<!--more--><\/p>\n<h3><b>Anette Freytag, herzlichen Gl\u00fcckwunsch zur Medaille der ETH Z\u00fcrich. Erstmals seit 2001 geht diese Auszeichnung wieder an das Institut f\u00fcr Landschaftsarchitektur. Welche Kriterien waren f\u00fcr die Vergabe des Preises ausschlaggebend?<\/b><\/h3>\n<p>Ich denke, sowohl der Aufbau als auch die Methodik der Arbeit vertreten einen neuen Ansatz. Es handelt sich um keine klassische Monographie, sondern um eine Ann\u00e4herung an Kienast in drei Teilen, die der Komplexit\u00e4t seines Schaffens gerecht werden will. Mit Hilfe dreier Fokusse \u2013 \u00abDie Natur der Stadt\u00bb, \u00abFormen der Nutzung\u00bb und \u00abMedien der Darstellung\u00bb \u2013 habe ich verschiedene Aspekte von Kienasts Werk prismenartig beleuchtet, wobei die einzelnen Herangehensweisen chronologisch gegliedert sind und seine Entwicklung von den 1970er bis zu den 1990er Jahren jeweils beleuchten.<\/p>\n<p>Ein anderer Aspekt mag die Relevanz der Arbeit f\u00fcr die Forschung gewesen sein: Anhand von Kienasts Werk lassen sich alle wichtigen Fragestellungen und s\u00e4mtliche in den vergangenen dreissig Jahren gef\u00fchrten Diskurse \u00fcber das Gestalten mit Natur studieren. Kienast erhielt Impulse unterschiedlichster Art \u2013 aus den Naturwissenschaften, der Architektur, der Kunst, aus Filmen, Musik, Literatur und der Popul\u00e4rkultur. Die aus meiner Forschung gewonnenen Ergebnisse sind daher \u00fcber die Disziplin der Landschaftsarchitektur hinaus von Interesse.<\/p>\n<h3><b>Inwiefern wird Ihre Arbeit k\u00fcnftigen Forschenden n\u00fctzen? <\/b><\/h3>\n<p>Eine wichtige Basis ist die eigens angelegte Datenbank, in der die Dokumente des gegenw\u00e4rtig dreigeteilten Nachlasses in rund 2000 Datens\u00e4tzen registriert wurden. K\u00fcnftige Recherchen werden dadurch erleichtert. Ausserdem gingen aus der Dissertation ein geographisch geordnetes Werkverzeichnis und eine ausf\u00fchrliche Bibliographie hervor, die s\u00e4mtliche Texte Kienasts auflistet. Diese Quellensicherung war ein wesentlicher und recht aufwendiger Teil meines Forschungsprojekts.<\/p>\n<h3><b>In Ihrer Dissertation wird erstmals Dieter Kienasts Ausbildung in Kassel ausf\u00fchrlich gew\u00fcrdigt. Was hat Sie an dieser bislang wenig beachteten Phase interessiert bzw. fasziniert?<\/b><\/h3>\n<p>Ich wollte verstehen, was Kienasts Ausbildung als Pflanzensoziologe mit seinen sp\u00e4teren Werken zu tun hat. F\u00fcr seine Dissertation zur spontanen Vegetation der Stadt Kassel hat er auf einer Strecke von elf Kilometern drei Jahre lang in Dutzenden von Tabellen \u00abUnkraut\u00bb kartiert und so das Vorkommen von Pflanzen und ihre Vergesellschaftung bestimmt. Durch das Verst\u00e4ndnis dieser Arbeit konnte ich zeigen, wie Kienast von einem Lesen-lernen der Stadt \u00fcber die Spuren der Spontanvegetation zu einem gestalterischen Lesbar-machen seiner Arbeiten fand, in welcher dann eine standortgerechte Verwendung von Materialien und eine symbolische Pflanzenverwendung wesentlich wurden. Dar\u00fcber hinaus fand Kienast durch seine Besch\u00e4ftigung mit der \u00abNatur der Stadt\u00bb zu einer neuen \u00c4sthetik im Gestalten mit Natur.<\/p>\n<p>Ein anderer Aspekt war Kienasts Verh\u00e4ltnis zu den Nutzerinnen und Nutzern seiner Anlagen. An seinen Werken der 1990er Jahre wurde vielfach kritisiert, sie seien zu wenig alltagstauglich und zu sehr auf Form bedacht, w\u00e4hrend ihm die Mitbestimmung der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger zuvor noch ein grosses Anliegen war, dazu z\u00e4hlte z.B. das Entwerfen alternativer Kinderspielpl\u00e4tze. Durch die umfassende Betrachtung seines Schaffens konnte ich herausarbeiten, wie sich Kienasts Verst\u00e4ndnis von Alltagsbew\u00e4ltigung nach und nach ver\u00e4nderte. Sah er sie in den fr\u00fchen Jahren vor allem in der praktischen Nutzung, wird sp\u00e4ter die kontemplative Nutzung als Form von Alltagsbew\u00e4ltigung und individueller Emanzipation immer wichtiger. Der subjektbezogene Fokus und der Wirkungsanspruch an seine Freir\u00e4ume blieben dabei konstant.<\/p>\n<h3><b>Was bleibt heute von Kienasts Werk relevant?<\/b><\/h3>\n<p>Im deutschsprachigen Raum hat Kienast eine ganze Generation von Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten gepr\u00e4gt. Mich beeindruckt, wie er im Kontext einer sich ver\u00e4ndernden Gesellschaft immer neue L\u00f6sungen gesucht und gefunden hat, was die Gestaltung von Freir\u00e4umen angeht, die lebenswert und zugleich sch\u00f6n sein sollten. In diesem Sinne vertreten Kienasts Arbeiten indirekt auch einen didaktischen Anspruch, indem sie zur Reflexion \u00fcber das eigene Naturverst\u00e4ndnis anregen bzw. in manchen F\u00e4llen die Bedingungen f\u00fcr das Gestalten mit Natur in der Stadt bewusst ausstellen. Die unaufl\u00f6sbare Dichotomie von Nat\u00fcrlichkeit und K\u00fcnstlichkeit in einer landschaftsarchitektonischen Anlage hat er immer wieder zum Thema seiner Gestaltung gemacht.<\/p>\n<h3><b>In der Schweiz haben wir viele Werke in erreichbarer N\u00e4he. Welche Reise w\u00fcrden Sie empfehlen?<\/b><\/h3>\n<p>Ich sch\u00e4tze besonders die teilweise mit Spontanvegetation gestaltete Aussenanlage der Ecole cantonale de langue fran\u00e7aise in Bern (B\u00fcro St\u00f6ckl, Kienast&amp;Koeppel) und den Friedhof F\u00fcrstenwald bei Chur (B\u00fcro Kienast Vogt Partner), der das Ineinander von Alltagsbew\u00e4ltigung und \u00e4sthetischer Erfahrung besonders eindringlich erfahrbar macht. Eindrucksvoll sind auch Kienasts Schweizer Privatg\u00e4rten, deren Gestaltung zu seinen liebsten Aufgaben z\u00e4hlte. Leider sind diese fast ausschliesslich interessierten Lehrenden und Studierenden zug\u00e4nglich und im Werkverzeichnis bisher anonymisiert.<\/p>\n<p><i>Mit <a href=\"mailto:freytag@arch.ethz.ch\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Anette Freytag<\/a>, bis Juni 2012 Stellvertreterin der Professur Girot f\u00fcr Landschaftsarchitektur, sprach Tarek M\u00fcnch. Die Doktorarbeit wird in \u00fcberarbeiteter und erweiterter Form als Buch erscheinen, das in Kooperation der Verlage gta und Architectura &amp; Natura (Z\u00fcrich\/Amsterdam 2013) verlegt wird.<\/i><\/p>\n<figure id=\"attachment_2594\" aria-describedby=\"caption-attachment-2594\" style=\"width: 1280px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2594\" src=\"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/P1090020.jpeg\" alt=\"NL12: ETH-Medaille f\u00fcr Dissertation zu Dieter Kienast\" width=\"1280\" height=\"960\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2594\" class=\"wp-caption-text\">Friedhof F\u00fcrstenwald in Chur (B\u00fcro Kienast Vogt Partner), Foto von Anette Freytag<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anette Freytag erh\u00e4lt f\u00fcr ihre Dissertation \u00abNatur entwerfen. 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