{"id":398,"date":"2017-05-15T12:23:40","date_gmt":"2017-05-15T10:23:40","guid":{"rendered":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/2017\/05\/15\/die-anliegen-und-sorgen-der-betroffenen-regionen-haben-noch-keine-grosse-beachtung-gefunden\/"},"modified":"2017-05-15T12:23:40","modified_gmt":"2017-05-15T10:23:40","slug":"die-anliegen-und-sorgen-der-betroffenen-regionen-haben-noch-keine-grosse-beachtung-gefunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/fr\/2017\/05\/15\/die-anliegen-und-sorgen-der-betroffenen-regionen-haben-noch-keine-grosse-beachtung-gefunden\/","title":{"rendered":"\u00abDie Anliegen und Sorgen der betroffenen Regionen haben noch keine grosse Beachtung gefunden.\u00bb"},"content":{"rendered":"<p>Die Alpentransversale entlang des Korridors Rotterdam \u2013 Genua stellt zahlreiche beteiligte Regionen vor Probleme. Das Projekt Code 24 nimmt sich dieser grossen Aufgabe an. Der Projektverantwortliche Felix G\u00fcnther beantwortet hierzu f\u00fcr uns die Kernfragen.<!--more--><\/p>\n<h3><b>CODE24 hat sich zum Ziel gesetzt, eine integrierte Infrastruktur- und Raumentwicklung entlang dem Korridor 24 zu f\u00f6rdern. Was bedeutet das? <\/b><\/h3>\n<p>Der Korridor Rotterdam \u2013 Genua ist bedeutend f\u00fcr den Warentransport in Europa. Es leben aber auch viele BewohnerInnen entlang dieser Transitachse. Die schweizerische Politik hat sich mit der Verlagerung der G\u00fcterstr\u00f6me, dem sogenannten Verlagerungsziel, besch\u00e4ftigt, die Europ\u00e4ische Union mit der Vereinfachung des Betriebs \u00fcber die Grenzen hinweg, dem Steuerungssystem ERTMS. Die Anliegen und Sorgen der betroffenen Regionen haben dagegen noch keine grosse Beachtung gefunden. Diese manifestieren sich jetzt aber an verschiedenen Stellen entlang der Achse, etwa am s\u00fcdlichen Oberrhein oder am Mittelrhein, wo sich die BewohnerInnen gegen die Ausbaupl\u00e4ne der Bahn wehren. Code 24 versucht den Austausch zwischen den betroffenen Regionen zu f\u00f6rdern und deren Einfluss auf der nationalen und europ\u00e4ischen Ebene zu verst\u00e4rken.<\/p>\n<h3><b>Das Projekt Code24 startete im Mai 2010. Welches sind die Ziele der ersten Phasen der Arbeit? <\/b><\/h3>\n<p>Wir haben das Projekt mit einer Konferenz im Mai in Mannheim gestartet. Dabei ist ein Ziel dieser ersten Phase bereits erreicht worden, n\u00e4mlich mit Publizit\u00e4t das Bewusstsein f\u00fcr die Fragestellungen entlang der Achse zu erh\u00f6hen. Gegen 300 Personen kamen nach Mannheim und haben sich f\u00fcr das Thema interessiert gezeigt. Wir von der ETH erreichen unsere wichtigste Phase und Arbeit auch gleich am Anfang: Wir erarbeiten eine \u00dcbersicht \u00fcber die raumplanerischen Fragen entlang des Korridors, die wir den PartnerInnen zur Verf\u00fcgung stellen. Diese \u00dcbersicht gibt es erstaunlicherweise heute noch nicht, obwohl der Korridor entlang des wirtschaftlichen Herzst\u00fccks von Europa verl\u00e4uft.<\/p>\n<h3><b>Im Rahmen des Projektes wurden Workshops in sieben europ\u00e4ischen Regionen durchgef\u00fchrt. Was war die Reaktion der lokalen AkteurInnen? Was sind die wiederkehrenden Themen?<\/b><\/h3>\n<p>Um den Sachstand entlang des Korridors aufzunehmen, haben wir zehn regionale Workshops entlang der ganzen Achse geplant und zum Teil auch schon durchgef\u00fchrt. Diese Workshops haben uns geholfen, in kurzer Zeit mit einer grossen Anzahl AkteurInnen in Kontakt zu kommen und ihr Wissen f\u00fcr unsere \u00dcbersicht nutzbar zu machen. Das Echo war \u00fcberwiegend gut, pro Workshop sind zwischen 20 und 30 Personen gekommen. Dabei haben wir gesehen, dass nat\u00fcrlich wie erwartet die mangelnde Finanzierung der lokal gew\u00fcnschten Projekte \u00fcberall ein zentrales Thema ist, aber auch Fragen des L\u00e4rmschutzes f\u00fcr die betroffenen Siedlungen, die Konkurrenz zwischen dem regionalen Personenverkehr und dem G\u00fcterverkehr und die fehlenden raumplanerischen Konzepte f\u00fcr die Logistik.<\/p>\n<h3><b>Der Korridor ist aus europ\u00e4ischer Sicht als G\u00fcterkorridor geplant: ist das die Zukunft dieser Achse? <\/b><\/h3>\n<p>Die Bedeutung des Korridors f\u00fcr den G\u00fcterverkehr ist sicher sehr bedeutend. Wir sollten aber nicht vergessen, dass entlang des Korridors auch viele Leute wohnen. Die Regionen haben die Entwicklungsschwerpunkte ihrer Siedlungen auf den \u00f6ffentlichen Verkehr ausgerichtet. Dies soll auch in Zukunft m\u00f6glich sein, wenn sie nicht von Autos abh\u00e4ngig sein wollen. Die Umsetzung dieses wichtigen Ziels der Raumentwicklung ist heute gef\u00e4hrdet, wenn das Wachstum des G\u00fcterverkehrs bei gleichzeitig fehlenden Ressourcen f\u00fcr den Ausbau zunimmt, und zwar nicht nur in der Schweiz. Nicht vergessen d\u00fcrfen wir auch die Frage der Geschwindigkeit. Die L\u00e4nder um uns herum investieren in die schnellen Verbindungen zwischen St\u00e4dten, auch als Ersatz f\u00fcr den Luftverkehr. Auch hier sollte sich die Schweiz die M\u00f6glichkeit offen halten, sich in Zukunft zu profilieren.<\/p>\n<h3><b>In vielen St\u00e4dten und Regionen in Europa und in der Schweiz gibt es eine niedrige Akzeptanz f\u00fcr den weiteren Ausbau von Infrastrukturen. Besch\u00e4ftigt sich das Projekt mit diesem Thema?<\/b><\/h3>\n<p>Diese Frage steht f\u00fcr uns nat\u00fcrlich im Herzen der ganzen Arbeit. Wir m\u00f6chten aber nicht \u00dcberzeugungsarbeit leisten um die bestehenden Projekte m\u00f6glichst einfach umzusetzen, sondern es sollen zusammen mit den betroffenen Regionen neue L\u00f6sungen gefunden werden, wie die Infrastrukturen integriert werden k\u00f6nnen. Auch wir werden ab n\u00e4chstem Jahr die Fragen nicht nur theoretisch behandeln, sondern mit einer Region eine m\u00f6gliche Umsetzung als Pilotverfahren \u00fcberpr\u00fcfen. Dies wird im besonders wichtigen Abschnitt zwischen der niederl\u00e4ndischen Neubaustrecke (Betuwelinie) und dem deutschen Streckennetz durchgef\u00fchrt, wo ein Ausbau der bestehenden Strecke mitten durch bewohnte Gebiete geplant ist. Dabei ist insbesondere interessant, dass dort l\u00e4ndliche Gemeinden, wie auch Agglomerationen und st\u00e4dtische Siedlungen des Ruhrgebietes betroffen sind.<\/p>\n<h3><b>Bei dem Projekt machen sechs Universit\u00e4ten und Forschungsinstitute mit. Welche Fachbereiche sind beteiligt und welche Synergien\/Aktivit\u00e4ten kann man gemeinsam fortf\u00fchren? Welches sind die Vorteile dieser interdisziplin\u00e4ren Arbeit? <\/b><\/h3>\n<p>Wir arbeiten mit Instituten f\u00fcr Raumentwicklung in Turin (Siti) und Holland (Utrecht) wie auch mit den SpezialistInnen f\u00fcr Logistik in Duisburg-Essen und f\u00fcr \u00d6konomie in Kehl zusammen. Dabei profitieren wir einerseits vom Know-how der verschiedenen Fachgebiete, die uns helfen, verschiedene Aspekte der Korridor-Problematik auszuleuchten. Andererseits lernen wir auch die verschiedenen rechtlichen und politischen Systeme der anderen L\u00e4nder kennen und lernen aus den Vergleichen.<\/p>\n<p>Kontakt: <a href=\"mailto:guenther@nsl.ethz.ch\" target=\"_self\">Felix G\u00fcnther<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.code-24.eu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Webseite Code24<\/a><br \/>\n<i>Das Interview wurde von Ilaria Tosoni gef\u00fchrt.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Alpentransversale entlang des Korridors Rotterdam \u2013 Genua stellt zahlreiche beteiligte Regionen vor Probleme. Das Projekt Code 24 nimmt sich dieser grossen Aufgabe an. 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