{"id":1340,"date":"2017-06-16T12:28:23","date_gmt":"2017-06-16T10:28:23","guid":{"rendered":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/2017\/06\/16\/was-uns-historische-verkehrskarten-verraten\/"},"modified":"2017-06-16T12:28:23","modified_gmt":"2017-06-16T10:28:23","slug":"was-uns-historische-verkehrskarten-verraten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/fr\/2017\/06\/16\/was-uns-historische-verkehrskarten-verraten\/","title":{"rendered":"Was uns historische Verkehrskarten verraten"},"content":{"rendered":"<p>Die Frage, wie sich besser ausgebaute, weiter verzweigte und schnellere Verkehrswege auf den Raum, die Gesellschaft und die Wirtschaft auswirken, stellt sich in regelm\u00e4ssigen Abst\u00e4nden ganz konkret. Immer dann, wenn wieder gr\u00f6ssere Investitionen in unser Verkehrssystem anstehen. Doch was f\u00fcr Auswirkungen sind zu erwarten? K\u00f6nnen wir aus der Geschichte lernen?\u00a0<!--more--><\/p>\n<p>Seit Jahrhunderten wird an Europas Verkehrssystem gebaut. Die Erreichbarkeit verschiedener Gegenden und Landstriche hat sich dadurch immer wieder ver\u00e4ndert \u2013 gewisse Regionen r\u00fcckten n\u00e4her zu einander, andere von einander weg. In dem Zusammenhang rekonstruiert Raphael Fuhrer, Doktorand am IVT, das Verkehrsangebot Westeuropas von 1500 bis heute, um diese Entwicklung in Zahlen fassen zu k\u00f6nnen. R\u00fcckgrat dabei ist ein historisches geographisches Informationssystem (hGIS).<\/p>\n<p>Wer mit historischem Material arbeitet, merkt schnell: man muss flexibel sein. Mit <a href=\"http:\/\/gallica.bnf.fr\/ark:\/12148\/btv1b55004869m\/f1.item\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Das ist der Rom-Weg von meylen zu meylen mit puncten verzeychnet von eyner stat zu der andern durch deutzsche lantt<\/a>\u00a0schuf um 1500 Erhard Etzlaub in N\u00fcrnberg eine Reisehilfe f\u00fcr alle, die von Nordeuropa nach Rom wollten. Der Reiserichtung entsprechend, steht die Karte auf dem Kopf und erschwerend kommt hinzu, dass eine akkurate Projektion fehlt. Eine solche etablierte sich erst knapp 100 Jahre sp\u00e4ter mit <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wissenschaft\/article13899339\/Gerhard-Mercator-zwang-die-Erdkugel-in-einen-Zylinder.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mercator<\/a>. So entstanden erst ab dem 17. Jahrhundert Karten, die mit unseren heutigen vergleichbar sind. Damals war der Erwerb einer Karte eine Investition und die Karte sollte eine Weile ihren Dienst erf\u00fcllen. \u00c4nderungen in Gebietsanspr\u00fcchen machten jedoch neue Auflagen notwendig.<\/p>\n<h3><b>Netze folgen Netzen<\/b><\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/www.davidrumsey.com\/luna\/servlet\/detail\/RUMSEY%7E8%7E1%7E31528%7E1150007:Seat-of-war-Netherlands-?sort=Pub_Date%2CPub_List_No_InitialSort&amp;qvq=q:Pub_List_No%3D%272310.000%27%22%2B;sort:Pub_Date%2CPub_List_No_InitialSort;lc:RUMSEY%7E8%7E1&amp;mi=23&amp;trs=93\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">A new map of the seat of war in the Netherlands<\/a>\u00a0vom 12. Mai 1794, vertrieben durch Robert Laurie &amp; John Wittle in 53 Fleet Street in London, ist so ein Beispiel. Was damals Niederlande hiess, ist zu grossen Teilen das heutige Belgien. Die feins\u00e4uberlich eingezeichneten Wege zeigen eine wichtige historische Konstante auf: <a href=\"http:\/\/www.citylab.com\/tech\/2015\/11\/how-railroad-history-shaped-internet-history\/417759\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Netze folgen Netzen<\/a>. Viele damalige Wege folgten fr\u00fcheren Wegen oder bereits zuvor schiffbaren Fl\u00fcssen und Kan\u00e4len. Auch wird sichtbar, dass im damaligen Europa jedes Land seine eigenen L\u00e4ngen- und Zeitmasse verwendete. Die Reisezeit ist aus verkehrshistorischer Sicht eine der wichtigen Kenngr\u00f6ssen. Es ist klar, dass damals Reisen sehr viel Zeit in Anspruch nahm. Die Sch\u00e4tzungen st\u00fctzen sich neben der Streckenl\u00e4nge auch auf die Verf\u00fcgbarkeit von Verkehrsmitteln.<\/p>\n<p>Die Postkutsche war vor der Eisenbahn das Verkehrsmittel schlechthin. Die Ver\u00e4nderungen im Streckennetz \u00fcber die Jahrhunderte lassen sich recht gut nachvollziehen. Die <a href=\"http:\/\/www.davidrumsey.com\/luna\/servlet\/detail\/RUMSEY%7E8%7E1%7E279574%7E90052561:Routes-des-postes-d-Italie?sort=Pub_List_No_InitialSort%2CPub_Date%2CPub_List_No%2CSeries_No&amp;qvq=q:nicolas%2Bde%2Bfer;sort:Pub_List_No_InitialSort%2CPub_Date%2CPub_List_No%2CSeries_No;lc:RUMSEY%7E8%7E1&amp;mi=87&amp;trs=480\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Routes des postes d&#8217;Italie<\/a>, 1705 zusammengestellt von Nicolas de Fer, zeigen exemplarisch das Netzt im damaligen Italien. Die Schweiz war von Genf via Savoyen, von Brig \u00fcber den Simplon und von Bellinzona \u00fcber Lugano nach Como mit Norditalien verbunden. Mit Hilfe von damaligen Aufstellungen zu Tarif, Etappen \u2013 so genannte Posten \u2013 und Kutschenart lassen sich historische Reisezeiten des \u00f6ffentlichen Verkehrs ausmachen. Max Eckert verdichtete 1909 solche Angaben in seinem Aufsatz zu seiner \u00abIsochronen-Karte der Erde in mittabstandstreuer Projektion mit dem Mittelpunkt Berlin\u00bb. Unter den verf\u00fcgbaren Verkehrsmitteln w\u00e4hlte er jeweils das schnellste aus und konnte zeigen, dass vor hundert Jahren praktisch ganz Europa binnen f\u00fcnf Tage von Berlin aus erreichbar war.<\/p>\n<p><i><a href=\"mailto:raphael.fuhrer@ivt.baug.ethz.ch\" target=\"_self\">Rapha\u00ebl Fuhrer <\/a>ist Doktorand am <a href=\"http:\/\/www.ivt.ethz.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">IVT<\/a> und besch\u00e4ftigt sich mit den Auswirkungen von Verkehr auf den Raum in Bezug auf Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt. Er arbeitet dazu h\u00e4ufig mit historischen Daten.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frage, wie sich besser ausgebaute, weiter verzweigte und schnellere Verkehrswege auf den Raum, die Gesellschaft und die Wirtschaft auswirken, stellt sich in regelm\u00e4ssigen Abst\u00e4nden ganz konkret. Immer dann, wenn wieder gr\u00f6ssere Investitionen in unser Verkehrssystem anstehen. Doch was f\u00fcr Auswirkungen sind zu erwarten? 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