{"id":589,"date":"2017-06-14T14:06:15","date_gmt":"2017-06-14T12:06:15","guid":{"rendered":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/2017\/06\/14\/wir-moechten-die-raumplanung-zu-den-leuten-bringen\/"},"modified":"2017-06-14T14:06:15","modified_gmt":"2017-06-14T12:06:15","slug":"wir-moechten-die-raumplanung-zu-den-leuten-bringen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/en\/2017\/06\/14\/wir-moechten-die-raumplanung-zu-den-leuten-bringen\/","title":{"rendered":"\u00abWir m\u00f6chten die Raumplanung zu den Leuten bringen\u00bb"},"content":{"rendered":"<p>Was sind die Dynamiken und wie ver\u00e4ndern die Leute den Raum mit ihrer Wohnstandortwahl, mit ihrem Verkehrsverhalten, mit ihrer Freizeitgestaltung? Das Thema Raumplanung ist abstrakt und man muss oft erkl\u00e4ren was es ist. Eine Wanderausstellung soll deutlich machen, warum man Raumplanung braucht. Wir haben die Organisatorin, Dr. Martina Koll-Schretzenmayr zu <i>DARUM Raumplanung<\/i> befragt.<!--more--><\/p>\n<h3><b>NSL-Newsletter: Warum braucht es eine Ausstellung \u00fcber Raumplanung? <\/b><\/h3>\n<p>Martina Schretzenmayr: Die bereits getroffenen und die noch anstehenden politischen Entscheide \u00fcber raumplanerische Themen haben die Raumplanung verst\u00e4rkt in die Medien gebracht. Erfreulicherweise vergeht augenblicklich keine Woche ohne einen Medienbeitrag zur Raumplanung. Die anstehenden Entscheide und die Medienpr\u00e4senz bringen aber auch ein wachsendes Informationsbed\u00fcrfnis der Bev\u00f6lkerung zu diesem Thema mit sich. Diesem Bed\u00fcrfnis m\u00f6chten die ETH Z\u00fcrich und der SIA mit der Wanderausstellung DARUM Raumplanung nachkommen.<\/p>\n<h3><b>Weshalb entschied sich die Organisation eine Wanderausstellung durchzuf\u00fchren?<\/b><\/h3>\n<p>Wir liessen uns von der Idee des Migros-Wagens inspirieren: die Ausstellung soll zu den Leuten, nicht die Leute zur Ausstellung. So haben wir eine Ausstellung, die alle Landesteile bereist, die durchgehend dreisprachig deutsch, franz\u00f6sisch, italienisch konzipiert ist und die in grossen, mittleren und auch kleinen St\u00e4dten auf \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen die Bewohnerinnen und Bewohner erreicht. Wir m\u00f6chten die Raumplanung zu den Leuten bringen.<\/p>\n<h3><b>Raumplanung ist eher eine trockene Angelegenheit, sehr sperrig, sehr komplex. Wie kann man das den Leuten n\u00e4her bringen?<\/b><\/h3>\n<p>Die Ausstellung zeigt auf, dass Raumplanung von Landschaft sch\u00fctzen \u00fcber Schutz vor Naturgefahren bis zur Schaffung von Lebensqualit\u00e4t reicht. Anhand einzelner Themen und anhand von Beispielen aus allen Landesteilen bringen wir den Besucherinnen und Besuchern n\u00e4her was Raumplanung ist, was sie will, was sie erreichen kann und dass Raumplanung uns alle angeht. Von Anfang an waren wir davon \u00fcberzeugt, dass sich die Ausstellung auf audiovisuellen Medien abst\u00fctzen soll.<\/p>\n<h3><b>Warum w\u00e4hlt die Ausstellung einen starken audiovisuellen Zugang \u00fcber Filme? Was erhofft man sich dadurch? Rechtfertigt sich der Aufwand einer Filmproduktion?<\/b><\/h3>\n<p>Durch meine Recherchen zur Raumplanungsgeschichte unter anderem in trockenen Aktenbest\u00e4nden des Bundesarchivs entstand bei mir der Wunsch, die damaligen AkteurInnen auch als Person wahrnehmen zu k\u00f6nnen. Ich begann nach Radio- und Fernsehbeitr\u00e4gen zu suchen und war \u00fcberrascht, welche Faszination und welch guten Zugang zum Thema diese audiovisuellen Materialien bei mir und auch bei Personen, denen ich das vorspielte, bedeutet. Informationsvermittlung \u00fcber Film erm\u00f6glicht eine hohe Informationsdichte und ist auch in der Lage Emotionen zu vermitteln. Der Lebensraum ist uns nicht nur Heimat sondern ber\u00fchrt uns im physischen wie im emotionalen Sinne. All das was draussen ist, die B\u00e4ume und H\u00e4user, kann man anfassen. Eine Landschaft, die man sieht, ber\u00fchrt auch emotional. Im positiven Sinne oder wenn man sagt \u00abOh, das ist aber h\u00e4sslich\u00bb. Man nimmt den Lebensraum durch Filmsequenzen wahr und sp\u00fcrt eine gewisse Vertrautheit, so dass man sagen kann \u00absowas kenne ich auch, das geht mich etwas an\u00bb.Wir m\u00f6chten, dass die Besucherinnen und Besucher diesen Lebensraum sp\u00fcren und sich davon ausgehend auf ein Nachdenken \u00fcber dessen Zukunft einlassen. Mit dem Filmemacher Rolf G\u00fcnter hat sich eine wunderbare Zusammenarbeit f\u00fcr die Filme, die wir f\u00fcr die Ausstellung produziert haben, ergeben. Er hat uns davon \u00fcberzeugt, dass die Informationsvermittlung ausschliesslich in der direkten Ansprache an den Betrachter \u00fcber Interviews geschehen soll. Die Interviewten stehen dabei draussen im Lebensraum \u2013 und nicht in ihrem B\u00fcro vor einer sterilen B\u00fccherwand. Das Medium Film haben wir aber auch gew\u00e4hlt, weil man hier\u00fcber sehr gut einen Eindruck \u00fcber die Dynamik der Raumentwicklung vermitteln kann. Es ist uns gelungen in Kooperation mit Memoriav, Cin\u00e9mat\u00e8que und dem Schweizer Fernsehen eine Auswahl von historischen Filmen pr\u00e4sentieren zu k\u00f6nnen, die aufzeigen wie die Schweiz vor 30, 40 oder 50 Jahren aussah. Das l\u00e4sst uns einen Eindruck gewinnen, welche r\u00e4umliche Dynamik die Zukunft bringen kann. Das sensibilisiert f\u00fcr Ver\u00e4nderung und f\u00fcr die Herausforderungen der Steuerung dieser Ver\u00e4nderung. Neben den Filmen tritt die Ausstellung auch konventionell mittels Texten an die Besucherinnen und Besuchern heran um Informationen und Zusammenh\u00e4nge zu vermitteln.<\/p>\n<h3><b>Versteht man als Laie \u00fcberhaupt, wovon die Expertinnen und Experten im Film sprechen?<\/b><\/h3>\n<p>Die ExpertInnen sprechen die Besucherinnen und Besucher direkt an. Durch die Filme beobachtet man zum Beispiel die Naturgefahr Lawine hautnah. Es wird nicht nur gesagt, wieviele Tonnen Schnee in Bewegung sind, sondern die Naturgewalt kommt im Film unmittelbar auf die Betrachtenden zu. An jedem Ausstellungsstandort gibt es erg\u00e4nzend einen \u00abRegio Flash\u00bb. Das jeweilige kantonale Planungsamt zeigt auf zwei Plakaten an den Fl\u00fcgelt\u00fcren des Containers was betreffend Raumplanung im Kanton aktuell ist. Gibt es Projekte aus der Region oder wird vielleicht gerade ein kantonaler Richtplan revidiert oder entsteht ein Agglomerationsprogramm? Wir treten auf diese Weise an die Besucherinnen und Besucher mit ihrer vertrauten Umgebung heran, mit dem Lebensraum, den sie gut kennen.<\/p>\n<h3><b>Was m\u00f6chte die Wanderausstellung bei den Besucherinnen und Besuchern ausl\u00f6sen? Sollen sie von ihrem Wunsch wegkommen, ein Einfamilienhaus auf einer gr\u00fcnen Wiese zu haben?<\/b><\/h3>\n<p>Mit einem \u00abEinfamilienh\u00e4user sind b\u00f6se und alle, die in Einfamilienh\u00e4usern wohnen, sind auch b\u00f6se\u00bb kommt man keinen Schritt weiter in der Diskussion. Wir versuchen den Leuten einen gewissen Einblick in die Grundmechanismen der Raumplanung zu vermitteln, in die Zusammenh\u00e4nge. Wenn ich irgendwo wohne, muss ich irgendwie zu meinen unterschiedlichen Aktivit\u00e4ten kommen. Davon h\u00e4ngt mein Mobilit\u00e4tsverhalten ab, hinsichtlich der Verkehrsmittelwahl aber auch hinsichtlich der Distanzen die zur\u00fcckgelegt werden m\u00fcssen. Wir zeigen auch auf, wie Siedlungsentwicklung, Infrastrukturausbau und langfristige Infrastrukturkosten miteinander zusammenh\u00e4ngen. Im Moment wird viel von Verdichtung geredet und dies wird von vielen als Bedrohung empfunden. Wir zeigen anhand von Basel-Nord, einem der dichtesten Wohnquartiere in der Schweiz, welche Qualit\u00e4ten st\u00e4dtisches Wohnen bieten kann. Die Nordtangente wurde in Basel in den Untergrund verlegt und extrem viel in die Freir\u00e4ume investiert. Neue Parkanlagen entstanden, der Stadtraum wird pl\u00f6tzlich neu wahrgenommen. In Lausanne-West sind die Industriebrachen das Thema. Dort kn\u00fcpft man an die Geschichte dieser Orte an, so dass man sie noch sieht und erlebt, auch wenn es neue Quartiere sind. Damit so etwas entstehen kann, m\u00fcssen Raumplaner, St\u00e4dteplanerinnen und Bauherren \u00fcber ihre Gr\u00fcndst\u00fccksgrenzen hinaus denken und sehen, dass sie Teil von etwas Gr\u00f6sserem sind. Es muss zu einem Miteinander von \u00f6ffentlicher Hand und von privaten Investoren kommen, damit man Stadtquartiere gemeinsam entwickeln und so Lebensqualit\u00e4t schaffen kann. Die Bev\u00f6lkerung kann \u00fcber viele planungsrelevante Themen abstimmen und bei partizipativen Verfahren ihre Meinung zu Projekten abgeben und so mitgestalten.<\/p>\n<h3><b>Wen m\u00f6chte die Ausstellung ansprechen?<\/b><\/h3>\n<p>Die Ausstellung m\u00f6chte die breite Bev\u00f6lkerung informieren. Ein besonderes Anliegen ist uns auch die junge Generation. Wir entscheiden heute nicht nur \u00fcber unseren Lebensraum sondern auch \u00fcber den Lebensraum aller k\u00fcnftigen Generationen. Raumplanerische Entscheide und r\u00e4umliche Ver\u00e4nderung haben lange Verzugszeiten und hohe Persistenz. Die Gestaltung des Lebensraumes hat viel zu tun mit Bed\u00fcrfnissen, W\u00fcnschen, Vorstellungen von Lebensgestaltung und Werthaltungen. Daher ist es wichtig bereits die Jungen zu sensibilisieren. Deshalb bieten wir auch Lehrmaterial und F\u00fchrungen f\u00fcr Schulen an. So lernen die Kinder und Jugendlichen nicht nur Strom sparen, Wasser sparen, sondern auch \u00abFl\u00e4che sparen\u00bb.<\/p>\n<p><i>Das Interview mit <\/i><a href=\"mailto:Schretzenmayr@nsl.ethz.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i>Dr. Martina Koll-Schretzenmayr<\/i><\/a><i> f\u00fchrten Claudia Gebert und Philipp Neff.<\/i><\/p>\n<p>Link zur <a href=\"http:\/\/www.darum-raumplanung.ch\/home\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ausstellungswebseite<\/a> mit den Standorten der Wanderausstellung DARUM Raumplanung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was sind die Dynamiken und wie ver\u00e4ndern die Leute den Raum mit ihrer Wohnstandortwahl, mit ihrem Verkehrsverhalten, mit ihrer Freizeitgestaltung? Das Thema Raumplanung ist abstrakt und man muss oft erkl\u00e4ren was es ist. Eine Wanderausstellung soll deutlich machen, warum man Raumplanung braucht. Wir haben die Organisatorin, Dr. Martina Koll-Schretzenmayr zu DARUM Raumplanung befragt.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":590,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_kad_blocks_custom_css":"","_kad_blocks_head_custom_js":"","_kad_blocks_body_custom_js":"","_kad_blocks_footer_custom_js":"","footnotes":""},"categories":[26,23],"tags":[],"departemente":[],"newsletter_ausgabe":[267],"class_list":["post-589","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ausstellungen","category-newsletter-artikel","newsletter_ausgabe-nl-14"],"acf":[],"taxonomy_info":{"category":[{"value":26,"label":"Ausstellungen"},{"value":23,"label":"Newsletter-Artikel"}],"newsletter_ausgabe":[{"value":267,"label":"NL 14"}]},"featured_image_src_large":["https:\/\/xoxo.capsule.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Wir-moechten-die-Raumplanung-zu-den-Leuten-bringen_medium.jpg",400,266,false],"author_info":{"display_name":"_rotor@NSL","author_link":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/en\/author\/_rotornsl\/"},"comment_info":0,"category_info":[{"term_id":26,"name":"Ausstellungen","slug":"ausstellungen","term_group":0,"term_taxonomy_id":26,"taxonomy":"category","description":"","parent":0,"count":61,"filter":"raw","cat_ID":26,"category_count":61,"category_description":"","cat_name":"Ausstellungen","category_nicename":"ausstellungen","category_parent":0},{"term_id":23,"name":"Newsletter-Artikel","slug":"newsletter-artikel","term_group":0,"term_taxonomy_id":23,"taxonomy":"category","description":"","parent":0,"count":680,"filter":"raw","cat_ID":23,"category_count":680,"category_description":"","cat_name":"Newsletter-Artikel","category_nicename":"newsletter-artikel","category_parent":0}],"tag_info":false,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/589","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=589"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/589\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/590"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=589"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=589"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=589"},{"taxonomy":"departemente","embeddable":true,"href":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/departemente?post=589"},{"taxonomy":"newsletter_ausgabe","embeddable":true,"href":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/newsletter_ausgabe?post=589"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}