{"id":3266,"date":"2018-11-30T11:01:04","date_gmt":"2018-11-30T10:01:04","guid":{"rendered":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/2018\/11\/30\/fuehrungslose-schweizer-raumentwicklung\/"},"modified":"2018-11-30T11:01:04","modified_gmt":"2018-11-30T10:01:04","slug":"fuehrungslose-schweizer-raumentwicklung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/en\/2018\/11\/30\/fuehrungslose-schweizer-raumentwicklung\/","title":{"rendered":"F\u00fchrungslose Schweizer Raumentwicklung?"},"content":{"rendered":"<p><em>Viel zu reden gab die Tatsache, dass der Fachbereich Raumentwicklung am Institut f\u00fcr Raum- und Landschaftsentwicklung der ETH Z\u00fcrich nach der Emeritierung von Prof. Dr. Bernd Scholl nicht nahtlos von einer vollen Professur \u00fcbernommen wurde, wie dies anf\u00e4nglich der Plan war. PD Dr. Joris Van Wezemael und Dr. Markus Nollert, die \u2013 nahtlos \u2013 die Lehre weiterf\u00fchren, stellen sich hier unseren Fragen.<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Markus und Joris: ihr werdet am Institut f\u00fcr Raum- und Landschaftsentwicklung (IRL) den Fachbereich \u00abRaumentwicklung\u00bb weiterf\u00fchren. Was \u00e4ndert sich nun in der Lehre, in der Forschung und f\u00fcr die Schweizer Raumentwicklung?<\/h3>\n<p><strong>Markus<\/strong>: So wenig wie m\u00f6glich und hoffentlich eine ganze Menge! Auch in der neuen Situation bieten wir ein attraktives und vielf\u00e4ltiges Lehrangebot im Bereich Raumentwicklung an, was sicherlich eine Herausforderung ist, da wesentlich weniger Personal zur Verf\u00fcgung steht als bisher. Konkret habe ich ein Pensum von 50%, Joris engagiert sich einen Tag pro Woche, beide mit einer gewissen Unterst\u00fctzung durch Assistenzstellen. Was wir nicht k\u00f6nnen, ist die Funktion einer vollen Professur f\u00fcr Raumentwicklung zu kompensieren, und das ist auch nicht unser Auftrag. \u00c4ndern werden wir Konzeption und Inhalt der bestehenden und neuen Vorlesungen, was sich auch in unseren Forschungsthemen niederschl\u00e4gt. Mein Schwerpunkt wird unter anderem die Erforschung von M\u00f6glichkeiten der Transformation bestehender Raumstrukturen im Kleinen wie im Grossen sein, denn vor diesen Herausforderungen stehen zuk\u00fcnftig immer mehr Schweizer Regionen. Dort wird auch die Methode des Entwerfens und die Konzeption geeigneter Verfahren und Instrumente eine zentrale Rolle spielen, die in der Planungspraxis zu testen und zu verbessern sind.<\/p>\n<p><strong>Joris<\/strong>: Ich stelle langfristig und nachhaltig die Verbindung von Praxis und Planungstheorie mit einem besonderen Fokus auf neue Daten im Raumentwicklungsbereich sicher. Die Vakanz der Professur f\u00fcr Raumentwicklung wird eine Forschungsl\u00fccke hinterlassen. Der Lehrbetrieb und die Ansprechbarkeit des IRL f\u00fcr die Praxis sind indes sichergestellt.<\/p>\n<h3>Joris, worum geht es in deinem Forschungsprojekt \u00abSmart use\u00bb?<\/h3>\n<p>Bei \u00abSmart Use\u00bb geht es um die Liaison von Technologie und Raumnutzung. Genauer gesagt haben wir eine Plattform gebaut, die politische und zivilgesellschaftliche Gruppen miteinander \u00fcber deren Daten vernetzt. Das Projekt verbindet Wissenschaft und Praxis, indem es die Kernthemen \u00abGovernance\u00bb und (Big) \u00abData\u00bb handlungsorientiert miteinander koppelt. Spannend ist sicher auch der Aspekt, dass das Projekt von einem Zusammenschluss von acht Kantonen in der sogenannten Metropolitankonferenz als ein Kooperationsprojekt unterst\u00fctzt wird \u2013 aber auch, dass es von Anfang an als eine transdisziplin\u00e4re Initiative der Hochschule (Raumentwicklung ETH Z\u00fcrich, Joris Van Wezemael), der Forschung im privaten Sektor (HosoyaSchaefer Architects) und von DatenspezialistInnen der OpenData Szene (datalets, Oleg Lavrovski) begr\u00fcndet wurde. Die Plattform bildet den zentralen Kern meiner Forschung und Vermittlung am IRL.<\/p>\n<h3>Markus, wo siehst du die aktuellen Herausforderungen der Raumentwicklung, vor allem zum Stichwort Verdichtung? Wie gehst du diese in deinen Projekten an, z.B. in Schlieren und K\u00f6ln-Bonn?<\/h3>\n<p>Bei der Erarbeitung des kommunalen Richtplans Siedlung &amp; Landschaft in Schlieren ist mir wieder vor Augen gef\u00fchrt worden, wie wenig wir \u00fcber die Transformation von bestehenden Quartieren wissen und welche Herausforderungen sich der Raumentwicklung, aber auch der Politik und der Architektur stellen, denen ich mich an der ETH widmen will. Bis jetzt haben wir Baul\u00fccken geschlossen, Industriebrachen umgenutzt und Areale \u00fcberbaut. Wie wir aber Quartiere mit mehreren Eigent\u00fcmerInnen mit guter Qualit\u00e4t verdichten k\u00f6nnen, ist weitgehend unklar. Klar ist, dass eine solche Transformation des Siedlungsbestands nur \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume und in mehreren Etappen, gemeinsam mit den Grundeigent\u00fcmerInnen und m\u00f6glicherweise mit neuen Instrumenten gelingen kann. Hier bietet sich auch ein interessanter Link zum Projekt \u00abSmart use\u00bb.<br \/>\nIn einem ganz anderen Massstab stellt sich f\u00fcr mich eine zweite Frage: Welche strategische r\u00e4umliche Entwicklungsrichtung sollen Regionen und St\u00e4dtenetze einschlagen? Beispielsweise konnten wir im Agglomerationskonzept K\u00f6ln-Bonn ein r\u00e4umliches Strukturbild f\u00fcr eine Region mit \u00fcber vier Millionen EinwohnerInnen entwerfen. Diese Nachfrage nach \u00abBildern\u00bb und Konzepten stellt ganz neue Anspr\u00fcche an das Planen und Entwerfen im grossen Massstab, den Umgang mit Komplexit\u00e4t, aber auch an die Prozesse, mit denen diese Entw\u00fcrfe mit den vielen AkteurInnen diskutiert werden.<\/p>\n<h3>Was verbindet euch mit dem NSL?<\/h3>\n<p><strong>Markus<\/strong>: Das NSL war in meiner aktiven Zeit als Assistent immer ein M\u00f6glichkeitsraum, in dem sich die unterschiedlichen Disziplinen der Raumentwicklung austauschen und gemeinsam weiterkommen k\u00f6nnen. Besonders beindruckend empfand ich die Treffen des Mittelbaus, in denen deutlich wurde, an wie vielen gemeinsamen Themen wir eigentlich arbeiten. Bei der Konzeption einer gemeinsamen Ausstellung der Lehrst\u00fchle von Prof. Bernd Scholl und Prof. Marc Ang\u00e9lil zum Felderboden in Schwyz hatte ich die Gelegenheit, vertieft mit den St\u00e4dtebauern Michael Martin und Lukas K\u00fcng zusammenzuarbeiten. Die Diskussionen \u00fcber die dortigen r\u00e4umlichen Herausforderungen aus den unterschiedlichen Perspektiven inspirieren mich noch heute. Der Vorteil des NSL liegt f\u00fcr mich ganz klar in der M\u00f6glichkeit transdisziplin\u00e4r zu arbeiten, denn wie sollen wir die Komplexit\u00e4t des Raums erforschen, wenn wir unser Wissen und unsere Sichtweisen nicht gemeinsam in die Waagschale werfen?<\/p>\n<p><strong>Joris<\/strong>: Mit Blick auf die Notwendigkeit, die St\u00e4dtebau und Raumentwicklung sowie deren inhaltliche und strategische Zusammenarbeit zu st\u00e4rken, hat das Netzwerk Potenziale wie kein zweiter Ort in der Schweizer Hochschullandschaft. Ich werde mich mit aller Kraft daf\u00fcr einsetzen, dass das NSL den Raum f\u00fcr interdisziplin\u00e4res Arbeiten schafft, den Praxis wie Studierende zurecht einfordern.<\/p>\n<h3>Was ist eure Vision der Stadt der Zukunft?<\/h3>\n<p><strong>Joris<\/strong>: Meine Sicht auf Lebensr\u00e4ume ist von der Einsicht gepr\u00e4gt, dass es keine neutralen R\u00e4ume gibt: Entweder sie n\u00fctzen oder schaden unserem Wohlbefinden. Ich w\u00fcnsche mir daher, dass wir unsere R\u00e4ume mehr von ihrem \u00e4sthetischen, \u00f6konomischen, identit\u00e4ren etc. Nutzen f\u00fcr das Leben her denken. Die inneren und \u00e4usseren Stadtr\u00e4nder, die Agglomerationen sollten wir von ihren bestehenden Qualit\u00e4ten aus der Sicht ihrer Nutzenden her weiterentwickeln, sie rhythmisieren und strukturieren. Gleichzeitig m\u00fcssen wir die komplexe Verzahnung virtueller und physischer R\u00e4ume beachten, die neuartige hybride Qualit\u00e4ten hervorbringt. Welche Potenziale bergen \u00abhybrid spaces\u00bb f\u00fcr eine gesellschaftlich oder \u00f6kologisch nachhaltige Raumentwicklung?<\/p>\n<p><strong>Markus<\/strong>: Ich schliesse mich Joris an, das Wohlbefinden ist ein wesentliches Element meiner Vision der Stadt der Zukunft. Das hat nicht nur mit Architektur und formeller Planung zu tun. Die Stadt muss erschwinglichen Wohnraum bieten, attraktive Angebote und M\u00f6glichkeiten, aber auch spannende \u00f6ffentliche R\u00e4ume, in denen ich mich \u00abin der Stadt\u00bb und gleichzeitig wohl f\u00fchle. Das hat durchaus mit morphologischen Gesichtspunkten zu tun, aber eher im Sinne des St\u00e4dtebaus und kluger Regeln f\u00fcr die Bebauung. In erster Linie sind es aber die Nutzungsmischung und -dichte sowie die Anzahl, Gestaltung und Funktion der \u00f6ffentlichen R\u00e4ume, die die Stadt lebenswert machen. Um das sicherzustellen, haben wir noch einiges zu tun \u2013 sowohl in der Forschung, aber auch in der Praxis und der Politik. Dicht zu bauen macht noch lange keine Stadt.<\/p>\n<p><em><a href=\"mailto:nollertm@ethz.ch\">Markus Nollert<\/a>\u00a0ist Gr\u00fcnder des <a href=\"http:\/\/www.raum-ent-wickeln.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">bureau f\u00fcr RAUMENTWICKLUNG<\/a> und leitet seit August 2018 die Gruppe \u00abSpatial Transformation Laboratories\u00bb am IRL. Neben eigenen Forschungsaktivit\u00e4ten und Vorlesungen hat er die Aufgabe, die Weiterf\u00fchrung der Lehre im Fachbereich \u00abRaumentwicklung\u00bb zu koordinieren. <\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"mailto:Joris.VanWezemael@sia.ch\">Joris Van Wezemael<\/a> ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des <a href=\"http:\/\/www.sia.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins SIA<\/a>. Davor war er Professor f\u00fcr Humangeographie an der Universit\u00e9 de Fribourg und Mandatsleiter einer Immobilien-Anlagestiftung in der Pensimo-Gruppe. Ab 2019 wirkt er als Executive-in-Residence am IRL der ETH Z\u00fcrich.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viel zu reden gab die Tatsache, dass der Fachbereich Raumentwicklung am Institut f\u00fcr Raum- und Landschaftsentwicklung der ETH Z\u00fcrich nach der Emeritierung von Prof. Dr. Bernd Scholl nicht nahtlos von einer vollen Professur \u00fcbernommen wurde, wie dies anf\u00e4nglich der Plan war. 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