{"id":1250,"date":"2017-06-16T11:49:25","date_gmt":"2017-06-16T09:49:25","guid":{"rendered":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/2017\/06\/16\/bezahlbarer-wohnraum-fordert-soziale-gerechtigkeit\/"},"modified":"2017-06-16T11:49:25","modified_gmt":"2017-06-16T09:49:25","slug":"bezahlbarer-wohnraum-fordert-soziale-gerechtigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/en\/2017\/06\/16\/bezahlbarer-wohnraum-fordert-soziale-gerechtigkeit\/","title":{"rendered":"Bezahlbarer Wohnraum fordert soziale Gerechtigkeit"},"content":{"rendered":"<p>Schnell, simpel und billig gebaut ergibt bezahlbaren Wohnraum? Ein Trugschluss. Bezahlbaren und guten Wohnraum bieten vielmehr Bauten, die \u00f6konomisch und architektonisch sinnvoll sind und soziale Qualit\u00e4t besitzen. Auf der anderen Seite stellt sich bei kosteng\u00fcnstigem Wohnraum auch die Frage nach dem gerechten Preis.<!--more--><\/p>\n<p>Wann ist ein Mietzins angemessen? Wann ist er gerecht? Die Lohnschere zwischen den Einkommensgruppen \u00f6ffnet sich seit Jahren immer weiter. Das Bundesamt f\u00fcr Statistik BFS meldete Ende 2015, dass zwischen den 10 % der am schlechtesten und jenen der am besten bezahlten Erwerbst\u00e4tigen ein Verh\u00e4ltnis von 1 zu 2,6 besteht. Wobei bei der Lohnstrukturerhebung des BFS die hohen Einkommen der Topverdiener nicht eingerechnet werden. Zwischen 2006 und 2012 stiegen die untersten 10 Prozent der Erwerbseinkommen um gerade mal 4,5% oder 173 Franken pro Monat, die obersten 10% aber um 14,1% oder 1450 Franken.<\/p>\n<p>Dieses Auseinanderdriften der L\u00f6hne und die einseitige Verteilung des Verm\u00f6gens bedrohen den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das soziale Zusammenleben in der Schweiz. Wenn wir in Zukunft nicht in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft leben wollen, geh\u00f6ren der gerechte Preis f\u00fcr das Wohnen und der auf lange Sicht gesicherte kosteng\u00fcnstige Wohnraum als Teil einer Wohnpolitik zu den zentralen Fragen einer demokratischen Gesellschaft.<\/p>\n<h3><b>Doch was verstehen wir unter gerechtem Preis bzw. wann ist eine Miete angemessen?<\/b><\/h3>\n<p>Eine gesellschaftlich verantwortungsvolle Auffassung setzt das Verh\u00e4ltnis des Aufwands f\u00fcr das Wohnen in Relation zum Netto-Haushaltseinkommen. In der Schweiz liegt der Durchschnitt hier bei ca. einem Drittel. 2012 geben 15% der Haushalte mehr als 30% ihres Bruttoeinkommens f\u00fcr das Wohnen aus. Eine 2016 von ETH Wohnforum \u2013 ETH CASE erstellte <a href=\"http:\/\/www.wohnforum.arch.ethz.ch\/de\/nicht-monetare-dienstleistungen-im-bereich-wohnen-fur-armutsgefahrdete-und-betroffene-menschen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Studie<\/a>\u00a0im Auftrag des Bundesamts f\u00fcr Sozialversicherung zur Wohnversorgung in der Schweiz best\u00e4tigt die Annahme, dass das Hauptproblem der ungen\u00fcgenden Wohnversorgung von armutsbetroffenen und -gef\u00e4hrdeten Menschen die Wohnkosten sind. Vier von f\u00fcnf armutsbetroffenen oder -gef\u00e4hrdeten Haushalten wenden mehr als 30% ihres Bruttohaushalteinkommens f\u00fcr Wohnen auf.<\/p>\n<p>Namentlich in den St\u00e4dten verschwindet durch die Sanierung oder den Ersatz von (Alt-)Wohnbauten zunehmend g\u00fcnstiger Wohnraum. Neubauten orientieren sich zumeist an den Anforderungen des h\u00f6heren Segments. Die neuen Mietkosten \u00fcbersteigen dann das Budget vieler Mieterinnen und Mieter. Daraus entstehen Verdr\u00e4ngungseffekte. Zudem kommen g\u00fcnstige Wohnungen bei Wohnungswechseln kaum auf den offiziellen Markt.<\/p>\n<p>Die Rahmenbedingungen bestimmen, was gebaut und wie gewohnt wird, und vier Faktoren bestimmen letztlich den Mietpreis: die Land-\/Bodenkosten, die Finanzierung, die Investitions- und Baukosten sowie die Betriebskosten. Doch es gilt vor allem zu beachten, dass Wohnen eine politische, \u00f6konomische UND eine gesellschaftliche Angelegenheit ist.<\/p>\n<p><i>Zusammenfassung der Er\u00f6ffnungsrede von Dr. Marie Glaser anl\u00e4sslich des diesj\u00e4hrigen <a href=\"http:\/\/www.wohnforum.arch.ethz.ch\/de\/eth-forum-wohnungsbau\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ETH Forum Wohnungsbau<\/a> zum Thema \u00abDer gerechte Preis. Wie schafft man kosteng\u00fcnstigen und qualit\u00e4tsvollen Wohnraum?\u00bb\u00a0<a href=\"http:\/\/www.wohnforum.arch.ethz.ch\/de\/team\/marie-antoinette-glaser\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Marie Glaser<\/a><b>\u00a0<\/b>ist Leiterin des <a href=\"http:\/\/www.wohnforum.arch.ethz.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ETH Wohnforum \u2013 ETH CASE<\/a>.\u00a0<\/i><\/p>\n<p><i>Bild: Neu, gut und bezahlbar: Die \u00dcberbauung der Baugenossenschaft mehr als wohnen in Z\u00fcrich-Nord wurde 2015 an die Bewohnerschaft \u00fcbergeben. (Foto: zvg)<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schnell, simpel und billig gebaut ergibt bezahlbaren Wohnraum? Ein Trugschluss. Bezahlbaren und guten Wohnraum bieten vielmehr Bauten, die \u00f6konomisch und architektonisch sinnvoll sind und soziale Qualit\u00e4t besitzen. 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