{"id":1123,"date":"2017-06-16T10:01:17","date_gmt":"2017-06-16T08:01:17","guid":{"rendered":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/2017\/06\/16\/urban-food\/"},"modified":"2017-06-16T10:01:17","modified_gmt":"2017-06-16T08:01:17","slug":"urban-food","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/xoxo.capsule.ch\/en\/2017\/06\/16\/urban-food\/","title":{"rendered":"Urban Food"},"content":{"rendered":"<p>Die komplexe Wechselwirkung zwischen Ern\u00e4hrungsform und gebauter Struktur steht im Zentrum von \u00abUrban Food\u00bb. Die Art und Weise, wie sich St\u00e4dte ern\u00e4hren, war und ist bis heute von geografischen, klimatischen und politischen Faktoren abh\u00e4ngig und pr\u00e4gt die Identit\u00e4t des urbanisierten Raumes physisch, \u00f6konomisch und kulturell.\u00a0Mit der Entwicklung der globalen Lebensmittelindustrie hat sich das Nahrungssystem im letzten Jahrhundert jedoch drastisch ver\u00e4ndert, wobei sich das klassische dichotome Verh\u00e4ltnis zwischen Stadt und Land weitgehend aufgel\u00f6st hat.<!--more--><\/p>\n<p>War die Produktion von pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln \u00fcber lange Zeit Teil des historischen Strassenbildes, hat sie sich mit den ver\u00e4nderten Arbeitsprozessen, -verh\u00e4ltnissen und hygienischen Normen zusehends aus der Stadt zur\u00fcckgezogen. Heute ist es die Verstrickung von globalen und lokalen Food-Systemen, die auf direkte und indirekte, sichtbare und unsichtbare Weise die Stadt strukturiert und ihre Identit\u00e4t formt. So sind innerst\u00e4dtische \u00f6ffentliche R\u00e4ume heutzutage fast ausschliesslich auf den Konsum ausgerichtet, w\u00e4hrend die peri-urbanen Zonen als logistische Systeme fungieren.<\/p>\n<p>Als kritische Antwort auf dieses vorherrschende Food-System und seine Auswirkung auf die Qualit\u00e4t der st\u00e4dtischen R\u00e4ume entstehen seit einigen Jahren zahlreiche Urban Farming-Projekte. Diese neue Form der st\u00e4dtischen Landwirtschaft ist im Kontext der gesamten Produktionskette zwar quantitativ unbedeutend, besitzt jedoch auf lokaler Ebene f\u00fcr die Stadtquartiere durchaus Relevanz. Die kleinmassst\u00e4bliche Struktur dieser Urban-Farming-Netzwerke erm\u00f6glicht es, kurzfristig auf gesellschaftliche Anforderungen zu reagieren und individuelle Bed\u00fcrfnisse zu befriedigen. Dar\u00fcber hinaus besitzen Projekte dieser Art einen hohen sozialen Stellenwert als Freir\u00e4ume, Treffpunkte und R\u00fcckzugsorte.<\/p>\n<p>Die Schweiz ist aufgrund ihrer geografischen Lage, ihrer kleinen Landfl\u00e4che und ihrer ausgepr\u00e4gten Topographie ein prim\u00e4res Import- und Transitland, das stark vom globalen Mark abh\u00e4ngig ist. Trotz politisch gesch\u00fctzter Binnenm\u00e4rkte und einer tief verankerten landwirtschaftlichen Tradition basiert die Schweizer Lebensmittelwirtschaft haupts\u00e4chlich auf dem Import und der Weiterverarbeitung von Lebensmitteln. Die f\u00fcr die Produktion, Verarbeitung, Verteilung und Entsorgung von Lebensmitteln notwendigen grossmassst\u00e4blichen Infrastrukturen (Strassen- und Schienennetzwerke, Flugh\u00e4fen, Lagerpl\u00e4tze und -hallen, Verarbeitungs- und Logistikzentren, Entsorgungs- und Recyclinganlagen) haben dabei weitreichende raumgliedernde und formbildende Konsequenzen, die das heutige Territorium Schweiz massgeblich organisieren und charakterisieren.<\/p>\n<p>Eine zus\u00e4tzliche Ursache mit weitreichenden Konsequenzen f\u00fcr die Schweizer Landschaft ist der Verlust der landwirtschaftlichen Bedeutung des ehemaligen st\u00e4dtischen Hinterlands durch die globalen und liberalisierten Agrarm\u00e4rkte. So droht den alpinen Territorien, die ihre produktive Bedeutung verloren haben, zunehmend die Verbrachung. Mit landwirtschaftlichen F\u00f6rdermassnahmen (Direktzahlungen) versucht man auf Bundesebene Gegensteuer zu geben, doch stellt sich unweigerlich die Frage nach der Identit\u00e4t dieser R\u00e4ume. In den Metropolitanregionen, wo die landschaftlichen Ressourcen durch die Zersiedelung bedroht werden, ist zum Beispiel die kulturelle Bedeutung der Landwirtschaftsfl\u00e4chen \u00e4usserst zentral geworden. So zielen auch politische Vorst\u00f6sse wie die Kulturlandinitiative, die freie Kulturfl\u00e4chen vor \u00dcberbauung sch\u00fctzen will, mehr auf das kulturelle Erbe eines bestimmten Landschaftsbildes denn auf die nachhaltige Ern\u00e4hrungssicherung.<\/p>\n<p><i>David Rademacher und <a href=\"mailto:shaw@arch.ethz.ch\" target=\"_self\">Roland Shaw<\/a> sind wissenschaftliche Assistenten an der Professur von G\u00fcnther Vogt f\u00fcr Landschaftsarchitektur.\u00a0<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die komplexe Wechselwirkung zwischen Ern\u00e4hrungsform und gebauter Struktur steht im Zentrum von \u00abUrban Food\u00bb. 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