In den vergangenen Monaten wurde die Bewegungsfreiheit vieler Bürger auf der ganzen Welt eingeschränkt. Als Teil des Versuchs, den COVID-19-Virus einzudämmen, wurde den Menschen geraten, in ihren Privatbereichen zu bleiben und ihre Anwesenheit im öffentlichen Raum auf das absolute Minimum zu beschränken. Allerdings ist die Idee, die Bürger vom öffentlichen Raum fernzuhalten, glücklicherweise nichts, was in heutigen Gesellschaften widerstandslos akzeptiert wird.
Ganz im Gegenteil dazu haben Bürger auf der ganzen Welt nach Alternativen gesucht, um in der Öffentlichkeit zu erscheinen, nach anderen Formen der Begegnung, anderen Taktiken des Teilens, der Fürsorge und der Unterstützung: d.h. nach anderen Arten der Gemeinsamkeit (engl. commoning). Die digitale Welt hat viele neue Wege aufgezeigt, wie man andere Menschen treffen, sich mit ihnen austauschen und zusammenarbeiten kann. Aber auch in unserer analogen Welt, in unseren Quartieren und Städten, wurden alternative Wege des Miteinanderseins entwickelt. Ein bestimmte architektonisches Element hat dabei eine Schlüsselrolle gespielt: der Balkon
Vor einigen Jahren begannen wir im Rahmen des Projekst «Die Elemente der Architektur von Rem Koolhaas eine intensive Auseinandersetzung mit dem architektonischen Element des Balkons. Heute setzen wir diese Forschung am Lehrstuhl für Geschichte und Theorie des Städtebaus der gta, an der ETH Zürich fort. Wir erforschen, inwiefern in Zeiten von COVID-19 der Balkon weiterhin eines des mächtigsten Architekturelemente in der Stadt ist: ein individuelles Podium der Kollektivität, ein privater Salon der öffentlichen Präsenz und ein persönlicher Leuchtturm des Gemeinwesens.
